GoldenSnuff hat geschrieben:Also.....nochmal kurz zur Darstellung meines Standpunkts.....natürlich habe ich im Studium auch Methoden gelernt, wie man ein Unternehmen bewerten kann....aber nur aufgrund der Tatsache, dass man das an der Uni lernt, muss das weder richtig noch praxistauglich sein ! Und dir Praxis lehrt mich eben was Anderes......
Vorab: Danke für die Erläuterung. Also bei mir ist es so... ich bin eher Theoretiker in vielen Dingen

Das kommt mir an der Uni in vielen Dingen sogar sehr entgegen... und für mich ist das dann so, wenn es betriebswirtschaftliche Methoden gibt mit denen man den Wert eines Unternehmens berechnen kann... dann ist das für mich das nonplusultra, insbesondere dann wenn eine wissenschaftliche Quelle (Uni) dahinter steht. Evtl. verstehst du jetzt besser woher mein Standpunkt kommt... Aber ich weiß auch, dass Unternehmensbewertung extrem komplex ist und es mehrere Bewertungsmethoden dafür gibt und ich denke auch, dass es unmöglich ist den Wert eines Unternehmens exakt genau auszurechnen.
Aber und das ist eigentlich der Kernpunkt worauf ich in unserer gesamten Diskussion hinaus wollte: Ich bin fest davon überzeugt, dass man anhand bestimmter BWL Faktoren grundlegend einen groben Unternehmenswert ausrechnen kann. Und ich denke, dass du da derselben Meinung bist?
Ich argumentiere aus meiner eigenen Sicht als aktiver Anleger......also aus der Praxis ! Sprich ich sage....der verfügbare Preis am Markt ist der, der die verfügbaren Informationen reflektiert und einarbeitet.......der Preis, an dem Käufer und Verkäufer zusammenkommen....sprich einer ist bereit zu verkaufen und ein anderer ist bereit zu kaufen ! Somit ist der Preis zu genau diesem Zeitpunkt fair........und damit zu jedem Zeitpunkt ! Somit ist der Börsenpreis zum jeweiligen Zeitpunkt immer der Beste und Fairste.......und weil sich die verfügbareren Informationen und Rahmenbedingungen ändern.....ändern sich auch die fairen Preise.....daher war um zu deinem Beispiel dotcom-Blase zu kommen....im März 2000 war ein DTE-Kurs von 100 fair.....die Bedingungen haben sich geändert......Wirtschaftskrise, teure UMTS-Lizenzen, US-Desaster mit Voicestream und und und....so dass der Markt mehr und mehr Risiken eingepreist hat.....und dann ist eben der faire Wert der DTE gesunken !
Fazit....der einzig objektive Maßstab ist der aktuelle Preis....alles andere sind Meinungen !
So kann man das sehen und grundsätzlich sind wir von unserer Ansicht auch gar nicht so weit ausseinander entfernt. Ich sehe das in vielen Dingen schon auch so und halte den Kapitalmarkt vom Grundkonzept für eine gute Sache. Aber bei der Telekom Aktie hatten wir damals ja auch die IPO Situation und den ganzen Hype in den Medien. Und gerade bei neuen Aktien kommt es meiner Ansicht nach oft zu absurden Entwicklungen am Kapitalmarkt hinsichtlich der Marktbewertung.
Um da vielleicht auch das Twitter Beispiel zu nehmen: Marktwert aktuell über 20 Milliarden... Das ist schon krass im Hinblick darauf, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass unabhängige BWLer mit einer Bewertungsmethode auf einen solchen Wert kommen würden. Das sind aber Ausnahmefälle. Facebook, Twitter und die Telekom Aktie nach dem IPO sind Ausnahmefälle! Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die fundamentalen Daten auch ganz grob zur Marktbewertung an der Börse miteinander im Einklang sein sollten. Angenommen man würde Twitter objektiv mit 3 Milliarden bewerten. Wenn der Aktienkurs aufgrund des Potenzials dann einen Marktwert von 4-5 Milliarden reflektiert kann man noch sagen, okay bei dem Potenzial was drin steckt für die Zukunft ist das fair. Aber wenn ein Unternehmen rein fundamental betrachtet einen groben Wert von 1-2 Milliarden hat und an der Börse über 20 Milliarden Wert ist dann stehe ich der Nummer extrem skeptisch gegenüber. Die Telekom Bewertung bei über 100 war ja auch absurd hoch

Aber das war zu dem Zeitpunkt auch eine IPO Aktie und es gibt viele Fälle in denen die Börse bei IPO Aktien maßlos übertreibt und deswegen versuche ich mir hier zu überlegen, was ist das Unternehmen fundamental Wert wenn man betriebswirtschaftliche Grundsätze zur Bewertung zugrunde legt und was machen die Spekulanten an der Börse daraus. Und wenn es da eine extrem große Differenz gibt ist das für mich ein klares Warnsignal.
Trotzdem bin ich (wie du) der Meinung, dass die Mechanismen am Kapitalmarkt so gut funktionieren das auf einer längerfristigen Zeitebene ein fairer Wert gefunden wird. Meine Kritik richtet sich hier wirklich zum Teil nur an IPO Aktien bei denen danach maßlos übertrieben wird. Aber auch da hat ja die Vergangenheit gezeigt, dass auch hier die Kurse dann nach ein paar Jahren stark gefallen sind und daraus dann ein faire Marktbewertung entsteht.
Nun zum Thema Unternehmensbewertungen.....natürlich gibt´s da viele verschiedene Methoden.....nur ich zweifle an eben Diesen.....aufgrund von mangelnder Umsetzbarkeit in der Praxis.......es gibt verschiedenste Ansätze ( welcher ist der, der richtig ist ? )......und wer sagt mir, dass ich daraus eine profitable Strategie entwickeln kann und eben nicht in "Meinungstrades" verfalle.....genau diese haben mich in meiner Börsenkarriere bisher das meiste Geld gekostet !
Wenn man sich die Menschen anschaut, die sowas professionell betreiben.....also nix anderes machen....als Unternehmen zu bewerten und daraus dann Preisprognosen erstellen......und dann die Ergebnisse sieht......dann wird man feststellen, dass es wirklich nicht möglich ist, ein Unternehmen zu bewerten und daraus einen profitablen Ansatz zu machen......Ganz Wenige mögen die Kompetenz und das Durchhaltevermögen dazu haben....wie Warren Buffet......aber wie schon gesagt, dass ist ganz sicher nicht die Liga, in der wir 2 spielen !
Beispiel Facebook......gibt ganz viele Analysen zu FB.....wo ganz viele Analysten ausführlich begründen, wo der faire Wert der Firma liegt.....und dann schau dir mal die Ergebnisse an....einer kommt auf einen fairen Wert von 24.90 $....und ein anderer kommt auf einen fairen Wert von 72.50$......
Insofern.....halte ich gar nix davon, Anlageentscheidungen damit zu begründen, dass doch der "faire Wert" einer Firma höher oder niedriger liege und man deswegen eine Aktie kaufen oder verkaufen müsse !
Wie du schon erwähnt hast gibt es mehrere Methoden zur Bewertung. Und ich meine auch, dass man nicht einfach pauschal irgendeine Formel nehmen kann und dann hat man den exakten Wert.. Nein, so ist es nicht. Aber ich denke, dass man mit 10-20% Spielraum nach oben und unten durchaus mit den zur Verfügung stehenden BWL Methoden durchaus einen vernünftigen Richtwert mit dem erwähnten Spielraum ausrechnen kann...
Und ich wäre ja auch an Twitter Long interessiert gewesen... Aber in meiner Anlageentscheidung spielt diese Analyse durchaus eine Rolle, weil mir die Marktbewertung von Twitter an der Börse zu hoch für einen Longtrade ist...
Ich denke insgesamt sind wir hier fast auf einen Nenner... Evtl. nur mit dem Unterschied, dass ich bei IPO Aktien der Meinung bin, dass da teilweise kurzfristig absurde Bewertungen entstehen die ich nicht als fair erachte und dies damit begründe, dass viele IPO Aktien erst absurd hoch waren und dann steil gefallen sind...
Danke auf jeden Fall für die Erläuterung
